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Innenstadtparks werden der Stadt zu kostspielig – Sperrung des Lienauparks in Frankfurt (Oder)

„Frankfurt (Oder) ist eine grüne Stadt …“ wirbt der Tourismusverein Frankfurt (Oder) und unternimmt damit den Versuch, Besucher zu motivieren, die zahlreichen Park- und Grünanlagen zu besichtigen. Mit Stolz verweist der Verein auf die „250 unterschiedlichen Baum- und Straucharten“, die dort einmal angepflanzt wurden …“ Ein „lohnender Weg“ durchs Grün mit ehrwürdigen Baumriesen, die auf das Wirken des Gartenkünstlers Lennés verweisen. Das „Schöpferdenkmal“ am nördlichen Ende des Lenneparks steht als Erinnerung an jene, die an seiner Entstehung beteiligt waren.

Überquert man die Straße, gelangt man in den ebenfalls von Lenné gestalteten Lienaupark, der – wie die Märkische Oderzeitung am 08./.09.08.2009 auf S. 15 berichtete – jetzt gesperrt wurde, da „Unfallgefahr“ bestehe. Weiter steht dort, dass:

„Auch an dem wertvollen Baumbestand, der zum überwiegenden Teil noch aus der Entstehungszeit stammt …“, „dringende Baumsicherungsmaßnahmen erforderlich“ seien, jedoch „Auf Grund der derzeitigen Personal- und Finanzsituation der Stadt können diese notwendigen Maßnahmen nicht abgesichert werden … Da mit Lennépark und dem Klingetal ausreichend Alternativen vorhanden sind, hat sich die Stadt zu dieser Vorgehensweise entschieden. Was mit dem Park geschieht, ist derzeit offen. So wird geprüft, ob eine Vermarktung mit einer begrenzten Bebaubarkeit … denkbar wäre.“

Der Beitrag in der MOZ wirft einige Fragen auf! Mit der Sperrung sollen nach Auskunft der Stadt Grünflächen und der Baumbestand gesichert werden. Sicherung durch Sperrung? Wie  funktioniert das? Was genau passiert mit dem Baum- und Grünbestand im Lienaupark? Hat die Stadt entschieden, sich von Lennés Erbe zu verabschieden? Wie sonst ist zu verstehen, dass die Stadt die weiteren Grünanlagen für „ausreichend“ erachtet? Lennés Ansinnen war es, „sozialverträgliche“ Städte mit „Grünanlagen für die Naherholung der Bevölkerung“ zu schaffen. Grundsätzliches Prinzip seiner Landschaftsgestaltung bestand darin, dass er „einzelne Parkanlagen optisch miteinander verband und Bauwerke daraus wirkungsvoll in Szene setzte“. Besonders beeindruckend erkennbar und unter den Schutz der UNESCO als Weltkulturerbe gestellt in der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft. Umso weniger ist der Entschluss der Stadt Ffo. nachzuvollziehen, den Lienaupark „aufzugeben“. Welches Ziel wird hier tatsächlich verfolgt? Bebauung statt Erhaltung des Grünbestandes?

Kann sich eine Stadt den „Rückbau“ weiterer Grünflächen leisten, die auf „Fahrrad-, Wander- und Kulturtourismus“ setzt? Wir haben es umsichtigen, verantwortungsvollen Entscheidungsträgern mehrerer Zeitepochen, die sicherlich alle mit ähnlichen Problemen konfrontiert waren, zu verdanken, dass wir noch heute von schönen Parkanlagen und altem Baumbestand profitieren können. In vielen Städten Deutschlands bewahrt man dieses Erbe und anerkennt die Geschichte dieser einmaligen Naturdenkmäler. Städte wie Dresden und Potsdam schützen beispielsweise ihre grünen Oasen und haben den Wert und Erhalt dieser in mustergültigen, vorbildlichen Satzungen festgeschrieben, die als Regelwerk dienen, um der Zerstörung des wertvollen Allgemeinguts entgegenzuwirken. Hier muss gefragt werden, besitzt Frankfurt (Oder) ein solches Regelwerk zum Schutz der Bäume und des Grüns? Scheinbar nicht, sonst würden die grünen Oasen nicht zunehmend dezimiert. Hier sei an die Fällungen von über 1000 Bäumen im Stadtgebiet im Jahr 2008 erinnert. Die Notwendigkeit einzelner Maßnahmen wird bis heute bestritten. Jetzt sind der Stadt die Innenstadtparks zu kostspielig: So jedenfalls wurde die Sperrung des Lienauparks begründet. Erstaunlich ist allerdings, dass die MOZ am 26.08.2009 schrieb, dass die Stadt fünf Millionen Euro Fördergelder für „Rückbau- und Sanierungsprojekte“ erhalten habe. „1,8 Millionen Euro“ werden für den „Abriss“ von weiteren „9200 Wohnungen bis 2013″ investiert. Abrissinvestitionen? Hier muss gefragt werden, warum ein Teil dieser Fördergeldern nicht für die Sanierung, Pflege und Erhaltung des Lienauparks verwendet wird?

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