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Braucht Strausberg eine „Straße des 17. Juni 1953“?

Jeder Brandenburger kennt die Straße des 17. Juni im (West-)Berliner Tiergarten, die seit dem 23. Juni 1953 zum Andenken an die Opfer des Volksaufstandes in der DDR und in (Ost-)Berlin so benannt ist.

Nun wird vielleicht auch Strausberg bald eine „Straße des 17. Juni“ haben. Die Hennickendorfer Chaussee, in der 1953 russische Panzer zur Niederschlagung des Aufstandes aufgerollt sein sollen, soll umbenannt werden.


Der Initiator dieser Umbenennung ist der heute 75-jährige Heinz Grünhagen, ehemaliges Mitglied der Streikleitung vom 17.Juni 1953 in Strausberg. Er ist der letzte überlebende Aktivist des seinerzeitigen Volksaufstandes in Strausberg. Grünhagen hat fünf Jahre als politischer Gefangener in DDR-Zuchthäusern gesessen. Seither bemüht er sich um das Andenken an den Aufstand. So schaffte er es, einen Gedenkstein an die Toten des Volksaufstandes gegen den Widerstand „einflussreicher ehemaliger Genossen“ (Zitat Grünhagen) vor den Toren der Barnim-Kaserne in Strausberg zu installieren. An diesem Gedenkstein werden jedes Jahr die Kränze der Stadt niedergelegt.

Heinz Grünhagen hat nun nach den Kommunalwahlen einen neuen Vorstoss gemacht, und die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung Strausberg und Bürgermeister Hans Peter Thierfeld um Stellungnahme zum Vorschlag der Umbenennung gebeten. Die Reaktionen sind je nach politischer Coleur verhalten bis euphorisch, wie man vor einer Woche in der Märkischen Oderzeitung lesen konnte.

Mich interessiert die Meinung unserer Leser zu der angestrebten Umbenennung. Ist diese längst überfällig oder nicht mehr zeitgemäß? Reicht ein zentraler Gedenkort für die Opfer des 17. Juni 1953 in Berlin oder sollte man überall dort auch durch Straßenumbenennungen gedenken, wo Arbeiter gestreikt haben?

Die Diskussion ist eröffnet.

Braucht Strausberg eine
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4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Solange es in Strausberg eine Peter-Göring-Straße gibt, die nach einem hochstilisierten „Helden“ der DDR benannt ist (siehe dazu auch den entsprechenden Wikipedia-Artikel: Für mich ist jemand, der 44 Schüsse auf einen fliehenden Schüler abgibt und ihn so zum Invaliden macht, kein Held, sondern eher die Westberliner Polizisten, die durch ihr Sperrfeuer diesem Treiben ein Ende setzen), braucht man erst recht Straßen, die auch daran Erinnern, dass Menschen für Demokratie und Freiheit auf die Straße gegangen sind und ihr Leben riskiert und teilweise geopfert haben.

    Ich sehe diese Notwendigkeit auch insbesondere deshalb, weil gerade in Strausberg anscheinend doch einige Merkwürdigkeiten existieren, wenn man lieber so beharrlich an der Straßenbenennung nach einem tötenden Mauerschützen festhält.

  2. Das Thema hatten wir gerade heute in der Fraktionssitzung der offenen Fraktion.
    Tenor war:
    Straßenumbenennung kommt nicht in Frage, weil:
    – Hennickendorfer Chaussee schon mal die Richtung bezeichnet, wohin sie führt
    – Kosten durch die Umbenennung und Diskussionen mit Anwohnern
    – bereits der Gedenkstein kaum einen interessiert hat

    Wenn es mal die Erschließung eines neuen Wohngebietes geben sollte und dort Straßen zu benennen sind, dann kann man vielleicht auf den Namensvorschlag zurückgreifen.

    Ansonsten nicht alles glauben, was in der MOZ steht. Die schreiben gern und viel und drehen sich auch mal das so hin, wie sie es möchten.

  3. @ jens

    Ich bin auch dieser Meinung.
    Bei der Straße des 17. Juni denke ich auch immer an Berlin.

  4. @ Jens:

    Okay, dass die Anwohner selten von Umbenennungen begeistert sind, kann ich verstehen. Das ist aber bei jeder Straßenumbenennung der Fall.

    Das Argument der Richtungsangabe der Hennickendorfer Chaussee finde ich in Ordnung. Das rechtfertigt sicher in gewisser Weise den Beibehalt des Namens.

    Gänzlich untauglich finde ich aber das Argument, dass es einen Gedenkstein gibt, der keinen interessiert. Eigentlich erschreckend, oder? Auch Straßennamen prägen das Bewusstsein. So wie es aktuell ist, braucht man sich nicht wundern, dass in Teilen von Märkisch-Oderland das Demokratiebewusstsein eher gering ausgeprägt ist.

    @ Badusan:

    Vielleicht könnte sich ja ein Straßenname an anderer Stelle finden lassen, der nicht mit prominenten Straßen in Berlin zu verwechseln ist.
    Ich bin ja immer noch der Meinung, dass die P.-Göring-Straße in Michael-Gartenschläger-Straße umbenannt werden sollte – ein gebürtiger Strausberger, der sich um Demokratie und Freiheit in Deutschland verdient gemacht hat und dadurch den Tod fand.